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Konsequenter Fleischgenuss

In Essen on 22. Oktober 2011 at 17:02

Eine Kollegin von mir wohnt weiter draußen am Stadtrand von Baku. Das neue und reiche Baku ist hier noch inicht wirklich angekommen. Hier stehen noch Feigenbäume am Straßenrand, in den offenen Markthallen wird mit allem gehandelt, was man für das tägliche Leben braucht und nach Feierabend herrscht hier noch hektische Betriebsamkeit. In einem Geschäft sah ich im Vorüberfahren Karpfen in einem Bassin ihre letzten Runden drehen – alles frisch, alles gut.

Es war schon dunkel, als wir neben dem Wohnhaus besagter Kollegin ausstiegen. Wir gingen noch in ein Geschäft, um etwas Mehl und Eier zu besorgen und beim Verlassen sah ich, dass man der Ecke ein Kalb angebunden hatte. „Was macht die Kuh hier?“, fragte ich. „Ach, die zerschneiden sie morgen“, meinte meine Kollegin. Und richtig, am nächsten Morgen, nachdem ich kleine Pfannkuchen mit Sahne und Marmelade gefrühstückt hatte, war von dem armen Tier nicht mehr viel übrig.

Was der Schlachter übrig ließ

Ähnliche Stilleben kann man an vielen Orten der Stadt bewundern.   Angeblich sind diese Straßenschlachtereien nicht immer legal und auch nicht sehr hygienisch. Immerhin wird das Tier auf der Straße getötet und zerlegt. Und während das Blut in den Rinnstein fließt, wird das Fleisch am selben Ort  zum Verkauf aufgehängt und ausgestellt. Abends würde ich das auch nicht mehr kaufen wollen. Der allgegenwärtige Wind trägt in Baku ja immer so einiges mit sich, das an frischem Rindfleisch bestimmt hervorragend klebt.

Wenn man Berichten der Zeitung „Zerkalo“ glauben soll, ist Fleisch aus der Kühltheke aber auch nicht viel besser, denn es kommt immer wieder zu Stromausfällen in Baku – Adieu du schnöde Kühlkette.  Die Zeitung schreibt, im vergangenen Jahr seien mehr als 800 kg verdorbenes Rind- und Lammfleisch und mehr als 1.000 kg Geflügel von den Behörden aus dem Verkehr gezogen worden. Das Blatt plädiert dafür,die illegalen Schlachtereien abzuschaffen. Ich aber fände das fast schade. Denn wo bekommt der urbane Mensch heute noch vor Augen geführt, dass wer Fleisch essen will, auch töten muss?

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