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Der Bazar

In Essen, Stadt on 1. November 2011 at 18:38

junger Igel, angeboten auf einem Bazar in Baku

Auf Bakus Märkten wird alles verkauft. In einer kleinen Pappschachtel entdeckte ich zwei kleine stachelige Kugeln. Der Lärm um sie herum, das Gefeilsche um Wellensittiche, Kaninchen und Hühner schien sie nicht zu erreichen. Sie hatten sich so tief es nur irgend ging in die Sägespäne gegraben und versuchten, zu schlafen. Igel sind nachtaktiv und halten Winterschlaf. Das schien dem Verkäufer, einem jungen Mann von vielleicht 25 Jahren nicht geläufig zu sein. Wie alt so ein Tier in der Gefangenschaft wird, wusste er auch nicht. Alles was wie ein süßes Haustier aussieht, findet hier seine Abnehmer.

Händler auf einem Markt in Baku

Um einen Käfig mit zwei auffälig schwarzweißen Hähnen stand ein ganzer Pulk Männer und fachsimpelte. Offensichtlich waren diese beiden keine Kanditaten für den Suppentopf, sondern der ganze Stolz ihres Züchters. Höflich machte man unseren Fotoapparaten Platz.

Prachthähne

Wenn man einen Bazar betritt, irrt man sich leicht in seiner Größe. Von außen sieht es aus wie ein Eingang zu einem einfachen Hof, dahinter aber entfaltet sich oft ein Gewirr von Hallen und Gassen und Hinterhöfen, in dem man sich leicht verlaufen kann. Und hinter jeder Biegung gibt es neue Köstlichkeiten: Flaschenkürbisse, Mandarinen, eingelegtes Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Gewürze – aber auch Anglerbedarf, Schrauben und gebrauchte Bügeleisen.

Blick über den Obst- und Gemüseteil des Bazars

Und alles wird von freundlichen und gleichzeitig sehr geschäftstüchtigen Verkäufern angeboten. „Möchtest Du Himbeeren, probier sie, sie sind lecker“, ruft es von der einen Seite. „Mandarinen, süß und köstlich“, lockt es von der anderen. Widerstand ist zwecklos.

Auf dem Bazar in Baku

Besonders angetan haben es mir natürlich die lokalen Produkte – und da besonders der Schafskäse. Es gibt ihn in unzähligen Varianten. Trocken, stark und bröselig wird er, wenn er eingenäht in Schafshäute reift. Die prall gefüllten Häute liegen in großen Stapeln in der Markthalle, die Verkäufer lassen ihre Kunden gerne probieren. Dann gibt es eine Variante, die dem griechischen Schafskäse ähnelt, sie reift in Salzlake und lässt sich in dicke Scheiben schneiden. Je nach Geschmack gibt es eine salzigere und eine milde Variante. Und dann gibt es noch einen Schafskäse, den man wohl am ehesten mit einer frischen Büffelmozzarella vergleichen kann: sehr cremig, sehr mild mit ordentlich Fett.

Käse reift in Schafshäuten

Den Käse isst man hier unter anderem mit Lavash – das ist ein sehr sehr dünnes Fladenbrot. Dazu gibt es eingesalzenes Gemüse, frisches Gemüse, Wurst oder anderes Fleisch. – lecker!

Käse reift hier in der Schafshaut

Statt in Supermärkte gehen die meisten Menschen hier auf Basare wie diesen. Die Preise sind niedriger, die Auswahl ist riesig und die Qualität ist – soweit ich das beurteilen kann, gut. Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Orte nicht auch dem Bakuer Modernisierungswahnsinn zum Opfer fallen. Es wäre nicht nur ein kultureller, sondern auch ein ästhetischer Verlust.

Köstlichkeiten auf dem Bazar in Baku

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