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Heuern und Feuern – oder die andere Seite der Gastfreundschaft

In Allgemein on 19. November 2011 at 10:54

Leider habe ich für diesen Artikel keine Fotos. Aber die Geschichte, die mir gestern passiert ist, braucht auch kein Bild.

Ich bin mit einem Freund in einer Universität unterwegs. Wir wollen einen Professor treffen, ihn fotografieren und dann möglichst schnell wieder weg. Einen Termin habe ich klargemacht. Am Eingang müssen wir an den Wachmännern vorbei. Sie sitzen in ihrem kleinen Kabuff und lassen sich von jedem Studenten den Ausweis zeigen. Wir fallen natürlich sofort auf. Also gehe ich zum Angriff über und sage mein Sprüchlein auf: Wir sind Journalistin und Fotograf, wir wollen diesen Prof fotografieren, wir haben einen Termin. Der Oberwachmann ist skeptisch und beschließt, zur Sicherheit mal seinen Boss zu fragen.

Er führt uns über das Unigelände, von allen Seiten werden wir angestarrt, wir sehen definitiv nicht aus wie die örtliche Jugend und dann haben wir auch noch ein Stativ dabei…Vor dem Büro des Bosses vom Oberwachmann ist ein kleiner Tresen. Dahinter sitzen weitere Wachmänner. Sie reden auf aserbaidschanisch, was ich nicht verstehe. Und sie lachen. Wahrscheinlich über uns. Man merkt es einfach, wenn man zum Gesprächsgegenstand wird – auch wenn man an dem Gespräch nicht teilnimmt.

Wir werden ins Büro des Oberbosses gebeten. Ich sage das Sprüchlein auf. Der Boss telefoniert, ist dann einverstanden, wir verlassen das Büro. Der Oberwachmann führt uns den Weg, den ich ohnehin schon kenne und erzählt: “ Der Typ da, der über euch gelacht hat, den habe ich gerade gefeuert.“

Ich brauche einen Moment um überhaupt zu verstehen, wovon die Rede ist. „Ich habe ihm gesagt: das tut man nicht. Das sind unsere Gäste, über seine Gäste lacht man nicht. Das würdest Du zu Hause auch nicht machen. Du kannst jetzt Deine Sachen packen und brauchst gar nicht mehr wieder zu kommen.“

Ich setze mein Sie-machen-einen-Scherz-Gesicht auf und sage etwas, an das ich mich nicht mehr erinnere.

„Neinein, ich habe ihn wirklich gefeuert, so ein Verhalten kann ich nicht dulden.“

„Aber deshalb muss man doch jemanden nicht gleich feuern“, versuche ich gegenzuhalten.

„Doch, so ein Verhalten, das geht einfach nicht.“

Im Gespräch stellt sich dann noch heraus, dass der junge Mann 25 Jahre alt ist. Er tut mir leid. Nichts gegen die hohen Serviceansprüche seines Vorgesetzten und ich schätze die aserbaidschanische Gastfreundschaft ja wirklich sehr, aber hätte eine Verwarnung nicht gereicht?

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