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Lest sie!

In Allgemein on 14. Februar 2012 at 19:45

Ich bin wieder da. Also, eigentlich war ich immer schon da, aber das soll hier nicht Thema sein. Vielmehr will ich um ein bisschen Solidarität werben – für meine Kollegen in Aserbaidschan. Das mag sich nach Kampagne anhören – und das ist es auch, aber die Jungs und Mädels können die Hilfe brauchen. Einen sehr kurzen, aber zahlengesättigten Einblick in die Schwierigkeiten gibt es hier.

Als Journalist, der seine Arbeit ernst nimmt, in Aserbaidschan zu arbeiten ist nicht nur finanziell ruinös sondern auch lebensgefährlich. Im letzten Jahr wurde Rafik Tagi auf dem Heimweg erstochen. Er hatte sich durch polemische Kritik am Islam, dem Iran und der aserbaidschanischen Regierung so ziemlich überall unbeliebt gemacht. Andere Kollegen, wie Eynulah Fatullayev wurden bedroht, zusammengeschlagen und eingesperrt.

Zeitungen gehören zu den letzten Medien außerhalb des Internets, in denen Opposition überhaupt noch stattfindet. Jetzt ist die Regierung dabei, sie durch Gängeleien langsam zu ersticken. Plötzlich dürfen sie ihr Blatt nicht mehr auf der Straße verkaufen, die Zahl der legalen Verkaufspunkte wird drastisch reduziert – in einem Land, in dem es praktisch keine Abonnements gibt, in dem sich Zeitungen jeden Tag am Kiosk behaupten müssen, ist das eine Katastrophe.

Und das Internet kann nicht alles ersetzen. Zeitungen haben auch in Aserbaidschan bei den meisten Lesern eine sehr hohen Vertrauensvorschuss. Und auch wenn die junge Generation sich zu einem großen Teil über das Internet informiert, ist das bei den Älteren praktisch gar nicht der Fall.

Einmal sagte mir ein Freund „Wir werden weitermachen, egal was ist. Woanders kommen wir eh nicht unter und wollen das auch nicht. Wenn die Zeitung zumacht, dann werden wir eben anders weiterschreiben – etwas anderes können wir nicht tun.“

Ich möchte daran glauben, dass eine Gesellschaft, die solche Journalisten hat, noch nicht ganz verloren ist. Vielleicht wäre ihnen schon geholfen, wenn sie im Westen mehr gelesen würden. Wer nur Engisch kann ist bei Contact gut aufgehoben. Wer dazu noch des Russischen mächtig ist, liest Zerkalo oder Echo. Unter den Aserbaidschanischen Zeitungen soll Azadliq  gut sein, das kann ich aber mangels Sprachkenntnissen nicht bestätigen.

Worum ich eigentlich bitten will ist ein Blick über den Tellerrand. Hervorragender, lesenswerter Journalismus wird nicht nur in New York, Paris, London oder Hamburg gemacht. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit kann der internationalen Presseperipherie sicher nicht schaden.

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